Gegenkommentar: Es gibt keinen Generationenkonflikt, nur einen Konflikt zwischen Spielern und Nicht-Spielern.

Einleitung: Dies ist ein Gegenkommentar zum Blogpost von gordon-creAtive auf Stigma-Videospiele.de, da ich mit einigen Punkten, insbesondere seiner Ansicht es handle sich um einen Generationenproblem, nicht voll teile. Er wurde vor der Verleihung des Computerspielpreises erstellt wurde, nun aber noch an einigen Stellen angepasst.

Machen wir uns nichts vor: Es gibt in unserer Gesellschaft Menschen von denen sich jeweils einige mehr, andere weniger mit dem Thema „Spiele“ beschäftigt haben. Dies hat natürlich dann auch Auswirkung darauf, wie sich diese Personen zum Thema Computer- und Videospiele positionieren. Dies trifft auf Spieler wie auf Nicht-Spieler genau gleich zu, was bedeutet, dass es in beiden Gruppen Leute geben wird, die sich mal so, mal so Äußern werden. Wenn nun die beiden Gruppen, die sich entgegengesetzt zum Themen Spiele positioniert haben aufeinander treffen, so wird oft gerne von einem Generationenkonflikt gesprochen. mich verwundert sowas immer. Wirft man denn nämlich mal einen Blick auf gelegentliche Onlineabstimmungen zum Themen „Killerspielverbot: Ja/Nein“, gehen diese in der Regel 60 zu 40 für ein Verbot aus. Komischer Weise entspricht diese Zahl der 40% auch in etwa der Anzahl der Spieler in Deutschland, wie etwa die Allensbacher Computer und Technikanalyse 2007, oder die Verbraucheranalyse Jugend I 2011 (42 %, zitiert nach GOMM 2012) feststellt. Schaut man sich nun die Altersstruktur an, so sind nach letzterer Quelle 38% der Spieler über 40 Jahre alt.

Wieso soll es also ein Generationenkonflikt sein, wenn beinahe 40 Prozent der Spieler mehr als doppelt so alt sind, wie der durchschnittliche Besucher den man auf der Gamescom erwartet? Klar ist der große Spielehype zur Zeit ein Phänomen, welches man hauptsächlich mit der Jugend assoziiert. Dies bedeutet aber mitnichten, dass es Computerspiele erst seit den späten Neunzigern, oder Anfang der Zweitausender gibt. Wer während des Aufkommens des C64 in Deutschland zwischen 10 und 20 Jahren alt war und dort den ersten Spielehype mitgemacht hat ist heute zwischen 40 und 50. Von diesen Menschen spielen viele heute immer noch und es sind sicherlich noch einige andere hinzugekommen. Auch ist die sogenannte „Killerspieldebatte“ keine neue Erscheinung. Sie gab es auch schon damals, hieß nur anders. Wer schon damals der Meinung war, dass die Wirkung von Spielen auf den Spieler überschätzt, unwichtig oder sogar nicht vorhanden sei, der wird in der Regel wohl auch nicht von dieser Meinung abgerückt worden sein. Warum haben wir also einen Generationenkonflikt?

Bei näherer Betrachtung fällt einem auf, dass es sich nicht um einen Generationen sondern um einen Kulturkonflikt handelt. Ein Konflikt deren Grenzen grob zwischen den Spielern und den Nicht-Spielern verläuft und nicht zwischen den Altersgruppen, sondern eher durch sie hindurch. Sicher, bei einem Anteil von nur 18% bei der Altersgruppe 50+ bedeutet dass, dass wir dort ein Anteil von 82% Nicht-Spieler haben. Bei 42% Spielern im Alter zwischen 12 und 29 haben wir aber auch dort 58% Nicht-Spieler. Die „Alten“ mögen sicherlich die größte Gruppe der Nicht-Spieler ausmachen, sie sind aber bei weitem nicht die einzigen. So müsste der weit aus größte Teil von ihnen Frauen sein (77% aller Frauen spielen nicht, laut Allensbach). Das wiederum aber vor allem ältere Herren wahr genommen werden, liegt daran, dass sich diese Gruppe am prominentesten (und aufdringlichsten) in den Medien vertreten sind, oft in Form des Unionspolitikers.

Zuletzt geschah dies nun durch Wolfgang Börnsen, medienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Dieser beklagte sich einen Tag vor der Preisverleihung des Deutschen Computerspielpreises in einer Pressemitteilung darüber, dass die Nominierung von Crysis 2 nicht den Richtlinien des Preises entsprechen würde. Diese sagen nämlich, dass ein nominiertes Spiel kulturell und pädagogisch wertvoll sein muss (was in meinen Augen wiederum eines der größten Hindernisse für diesen Preis ist). Mit dieser Feststellung mag Herr Börnsen recht haben und auch kein Spieler würde behaupten, dass das ab 18 in Deutschland freigegebene Crysis 2 für Kinder geeignet sei. So kommen die Spieler der Generation N64, oder auch „die Jungen“, und beschweren sich über „die Alten“, dass sie ihr Medium nicht verstehen. Unterstützt werden sie dabei von Leuten wie Christian Stöcker, Jimmy Schulz, Peter Tauber und Dorothea Bär, welche wieder eher zur Generation C64 gehören. Börnsens Pressemitteilung richtet sich genau gegen diese Gruppe, „die Mittelalten“, welche mit ihrer Nominierung „die Jungen“ nun verderben würden und den Deutschen Computerspielpreis somit entweihen würden.

Das Problem bei „den Jungen“ und „den Alten“ ist allerdings, dass sie sich hier als einzig an der Thematik interessierten Gruppe wahrnehmen. Dies lässt sich anhand der Geschichte des Computerspielpreises gut veranschaulichen. Denn genau bei den Nominierungen prallen die beiden Fronten aufeinander, was schon bei der Konzeption des Preises verdeutlicht. Das die Regelung nur kulturell und pädagogisch Wertvolle Spiele auszuzeichnen das alleinige Ziel verfolgte sogenannte „Killerspiele“ zu stigmatisieren, wie nun einige behaupten sehe ich als falsch an. Diese Regelung ist eher ein Produkt der Vorstellung welche Nicht-Spieler von Spielen und Spielern haben. Für sie sind Spieler nämlich hauptsächlich Kinder und Spiele eben ein Spielzeug für jene. Bei solch einem Bild ist es natürlich verständlich, wenn es einem Unbehagen verursacht, wenn „die Industrie“ nun auf einen Markt mit Produkten vorstößt, die für Kinder gar nicht geeignet sind. Und nun soll auch noch eines dieser Produkte möglicherweise auf einer Preisverleihung ausgezeichnet werden, die sich ganz klar an Kinder und junge Erwachsene richtet? Ungeheuerlich.

Dieses Bild offenbart jedoch einen gewaltigen Denkfehler, in dem es sowohl die anderen Altersgruppen unter den Spielern ignoriert und verkennt, dass Computerspiele ein vollwertiges Medium darstellt und eben kein Kinderspielzeug. Dies verstehen Nicht-Spieler leider noch nicht. Dies bedeutet aber auch, dass wir Spieler da etwas Falsch gemacht haben. Ich appelliere somit an euch:
Spieler, Gamer oder wie ihr euch auch immer nennen wollt. Wir müssen aufhören uns als „die Jungen“ zu sehen, die einen Kampf gegen „die Alten“ austragen, denn es sind nicht sie alleine, die wir überzeugen müssen. Wir müssen vielmehr alle Nicht-Spieler überzeugen, die glauben, Spiele seien nur für Kinder. Dies sollten wir umgehend tun. Wir sollten uns allerdings, nicht versuchen die zu Überzeugen, die wir nicht Überzeugen können. Statt also zu versuchen eine Änderung oben her zu forcieren. Statt auf ein „Aussterben der Alten“ zu warten, oder zu hoffen, dass mit dem Einzug der Piraten in den Bundestag auf einmal alle Kritiker verstummen, ist meiner Meinung nach der falsche Weg. Natürlich helfen die Piraten bei der gesellschaftlichen Akzeptanz, wir sollten vielleicht aber eher eine Bottom-Up-Strategie fahren. Wir sollten es aufgeben zu versuchen einige wenige Politiker zu überzeugen, die wir eh nicht überzeugen können. Wir müssen Aktiv(er) werden und auf die breite Masse der Nicht-Spieler zugehen. Wir müssen ihnen klar machen, dass Video- und Computerspiele ein vollwertiges Medium sind, die von allen Altersgruppen konsumiert werden (wie auch Peter Tauber zurecht feststellt). Vielleicht sollten wir bei den Frauen anfangen.

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4 Responses to “Gegenkommentar: Es gibt keinen Generationenkonflikt, nur einen Konflikt zwischen Spielern und Nicht-Spielern.”


  1. 1 pyri 1. Mai 2012 um 5:48 pm

    Weshalb sollte jemand der sich für Videospiele ausspricht eine (Aus-)Wirkung davon überhaupt geringschätzen?
    Aus meiner Sicht können Videospiele jedenfalls nicht gefährlich genug sein: die Frage ist gefährlich wofür, um auf Situationen aufmerksam zu machen?
    Gefährlich kann etwas nicht nur deshalb sein, weil es Verbrechen anregt – sondern etwa auch weil es eine normierte Gesellschaftsordnung, eine Disziplinargesellschaft, durcheinander bringt.
    Zahlen sind dabei nicht nur ein Problem der Wirkungsforschung, sondern auch solcher (Nutzungs-)Statistiken wie sie in diesem Kommentar vorgetragen werden, oder wer spielt in welchem Alter welche Spiele? 60+? Alles „Killerspiele“? Was spielen die „Spieler“/Gamer und was die Nicht-„Spieler“ nicht? Das ist doch keineswegs anzunehmen, wobei es nicht nur fraglich ist was „Killerspiele“ eigentlich alles wären, sondern vielleicht sogar noch mehr was ein „Verbot von Killerspielen“ überhaupt wäre.
    Und darüber sagen Statistiken für gewöhnlich nicht das Geringste aus – wie sollen sie auch? Solche Untersuchungen würden praktische jede Sozialwissenschaft überfordern, wo sich schon oft genug schwer getan wird befragte amerikanische Jugendliche von Deutschen zu unterscheiden. Gerade da sollen jetzt auch noch SeniorInnen hinzukommen?

    Dass da jetzt ein paar (jüngere) PolitikerInnen und JournalistInnen bereit sind sich vor der Presse als „Ego-Shooter“(-„Spieler“) etc. auszugeben finde ich zwar erstmal löblich, ein bereits bestehendes „Verbot von Killerspielen“ könnte aber gerade das auch sogar noch zementieren, denn die Position der Industrie in Deutschland ist über die USK doch jetzt schon, dass bestimmte ausländische Produktionen die international unproblematisch sind aus Deutschland nicht nur möglichst fern gehalten werden, sondern das möglichst bleiben! Und auch ein Tauber spricht über CNETZ von genau diesen „Killerspielen“ abwertend von dieser Position aus.
    Wenn es da jetzt also „gute“, preiswürdige, und „schlechte“ Killerspiele (immer noch) gibt. Er spielt anscheinend ja auch nur die „Guten“…

  2. 2 Modgamers 1. Mai 2012 um 6:05 pm

    Die Quellen für die Zahlen sind Verlinkt. Laut Allensbach gibt „Action und Shooterspiele“ mit 33% an, wobei 55% davon zwischen 14 und 19 Jahren alt sind (was im Umkehrschluss bedeutet, das 45% älter sind). Die dort angegeben Beispiele (Battlefield, CS, Resident Evil) sind zudem was man im allgemein unter den Begriff „Killerspiel“ subsumieren könnte, bzw. auch schon getan wurde. In dem Kommentar geht es allerdings _nicht_ darum eine allgemeingültige Definition des (unsäglichen) Begriffs „Killerspiel“ zu finden (zumal ich den Begriff in diesem Zusammenhang im Text gar nicht verwende, sondern nur in der Debatte verwendete Phrasen und Begriffe sinngemäß aufgreife; nur mal so am Rande), sondern darum, dass ich die Beschwörung eines Generationenkonfliktes als falsch ansehe.

    Was der Herr Tauber bei CNetz so von sich gibt ist mir nicht bekannt, steht allerdings im Gegensatz zu dem was er bei ZDF Heute und im Spiegel (http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/0,1518,830382,00.html) sagt. Dass du bei dieser Debatte aber nur Totalforderungen stellst, und dich nicht mit Teilerfolgen zufrieden geben kannst, auf denen aufbauend man weiter arbeiten kann, ist mir jedoch schon bekannt.

    • 3 pyri 1. Mai 2012 um 8:05 pm

      Aha. Ich wusste nicht, dass das offenbar Dein Blog ist und Du diesen „Gegenkommentar“ verfasst hast – eine AutorInnenschaft ist hier nicht angegeben – ansonsten hätte ich dazu auch garantiert nichts gesagt, weder hier noch anderswo: so kann ich jedenfalls bloß versuchen es von mir zu weisen, dass ich irgendwo mal „Totalforderungen“ aufgestellt hätte. Das weise ich naturgemäß ausdrücklich zurück.
      Ich wüsste auch gar nicht was das heißen soll und meine eher Normalität als Totalität für deutsche Gamer zu fordern: dass ihnen die gleichen Videospiele im Land zugänglich gemacht werden wie Resteuropa auch.
      Das was ich schrieb meinte im Übrigen auch genau das Gegenteil von dem was Du mir unterstellst: die Äußerungen beim Spiegel werden sich mit der Definition von „Killerspielen“ auf CNETZ sogar decken, darauf wollte ich hinaus. Wie man die erwünschten und/oder unerwünschten Spiele nennt ist mir eigentlich gleich – dann gibt es eben auch die guten „Ego-Shooter“ (mit Preis) und die bösen „Killerspiele“ (ohne Kennzeichen)
      Auf eine Diskussion über Genre-Bestimmungen will ich mich zwar eben gleich gar nicht einlassen, deshalb nur soviel: mit ein wenig Recherche kann schnell herausgefunden werden, dass so Reden über „Action“ oder „Shooter“ nicht viel über den Grad der jeweiligen Beanstandung (in Deutschland oder anderswo) aussagen. Jugendschutz-mäßig oder in D auch auf das Stafrecht bezogen. So gibt es herkömmliche „Ego-Shooter“ (von der deutschen USK nach 2003) mindestens frei ab 12, andere Shooter sogar mit USK-6.


  1. 1 Der Almrausch Trackback zu 1. Mai 2012 um 5:51 pm

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