Archive for the 'Glaskugelei' Category

Kein Mensch ist eine Insel

Wir werden Limitiert. Oder viel mehr wir limitieren uns selbst. Anders kann ich es nicht nennen, wenn ich höre, dass Nintendo in einem Spiel die Möglichkeit entfernt gleichgeschlechtliche Beziehungen zu führen. Im realen Leben kämpfen wir für Gleichberechtigung und Anerkennung und auch wenn wir immer nur kleine Siege zu feiern haben kommen wir unseren Zielen immer wieder einen Schritt weiter entgegen. Bei Spielen stehen wir allerdings noch ziemlich am Anfang. Schlimmer noch: wir lassen es zu, dass uns Produkte verkauft werden, in denen wir nicht mehr bestimmen können was wir tun, sondern in denen die (Moral-)Vorstellungen der Hersteller bzw. Publisher uns den Handlungsrahmen vorgeben. Um diesen Sachverhalt zu umreißen, hab ich vorhin diesen Tweet verfasst.

These: Nach der Verwirklichung im privaten Leben, wird das Möglichmachen der Verwirklichung in Spielen das nächste große Ding.

Aber wieso das denn? Computer- und Videospiele sind doch nur Unterhaltung. Und dann auch nur für die Jüngeren. Letztendlich ist das doch nur Gedöns, den keinen wirklich interessiert. Falsch. Spiele sind weit mehr als das. Sie dienen vielen Menschen nicht einfach nur als Zeitvertreib, sie sind bereits Teil ihres Lebens geworden. Wie jedes andere Medium auch ist es in der Lage uns grundlegende Dinge über die Gesellschaft oder gar die Menschheit zu erzählen. Durch seine Besonderheit, der Interaktivität, erlaubt uns dieses Medium zudem, dass wir als Spieler ständig vor Entscheidungen gestellt werden, deren Konsequenzen erleben und unsere Entscheidungen somit zu hinterfragen. Somit bereichern Spiele unser Leben. Zudem befinden wir uns an einem Punkt, an dem man bei der Preisverleihung des Deutschen Computerspielpreises hören kann, dass inzwischen 50% der Bevölkerung spielt. Wie kann also etwas Gedöns sein, was die eben genannten Dinge vermag und die Hälfte von uns betrifft?

Spiele geben uns die Möglichkeit das zu sein, was wir wollen, aber gleichzeitig auch uns selbst abzubilden. Dies ist aber nicht Möglich, wenn ein Spiel etwa, indem es erlaubt ist Beziehungen zu führen, gleichgeschlechtliche Beziehungen ausschließt. Perfide wird es dann, wenn es damit begründet wird, es sei ein ‚Bug‘, ein Fehler im Spiel. Hierdurch wird klar, dass es Nintendo nicht passt, wenn Spieler das Spiel so nutzen wie sie es für richtig halten. Die Gründe hierfür sind mir eigentlich relativ egal. Letztendlich ist es eine Limitierung derer, die sich frei entfalten wollen und eine Diskriminierung derer, die sich selber abbilden wollen. Dies ist jedoch bei weitem nicht das einzige Problem. Die Spieleindustrie versagt eigentlich grundsätzlich, wenn es darum geht Vielfalt in Spielen abzubilden.

Warum ist das so? Nun, viel liegt daran, dass Die Hersteller und Publisher immer mehr gefallen daran finden, ihre Inhalte für geschlossene Systeme anzubieten. Da diese Systeme definieren was genutzt werden darf, verfallen viele nun auch der Illusion, dass sie entscheiden dürften wie es genutzt wird. Ein weiter, meines Erachtens viel wichtigerer Faktor ist, dass man in der Industrie sich sagt, dass man ja nur Spiele macht und somit alles der Maxime Unterhaltung unterordnet. Spiele sind aber bei weitem kein reines Unterhaltungsprodukt. Wenn man aber trotzdem so handelt, wird alles, was irgendwie mit dem Thema Vielfalt zu tun hat, oder Kontroversen beinhaltet zu einem Kostenfaktor und somit zu einem unternehmerischen Risiko. Spiele kosten Geld, sehr viel Geld. Und alles was die (überzogenen) Gewinnerwartung schmälert ist gefährlich.

Die Unternehmen sind jedoch nicht die einzigen, die an der Misere schuld ist. Wir sind es genauso. Wir sind es, die wie blöde in die Läden rennen und uns den neuesten Teil der Call of Duty-Serie holen. Wir sind es, die Spiele nicht kaufen, weil eine Frau auf dem Cover ist. Wir nehmen es hin, wenn der Großteil der nicht-weißen, nicht-männlichen, nicht-heterosexuellen Charaktere in Spielen viel zu oft eine Ansammlung von Stereotypen und Klischees sind. Wir haben kein Problem damit, wenn bestimmte religiöse oder ethnische Gruppen als ‚Gegner‘ abgestempelt werden, ohne dies zu hinterfragen. Damit sage ich nicht, dass wir alle auf Propaganda hereinfallen, allerdings geben wir uns viel zu oft mit ‚Lazy Design‘ zufrieden. Wir sind zu anspruchslos, lassen den Herstellern und Publishern zu viel durchgehen und artikulieren nicht was wir wollen.

Schuld ist aber auch die Politik, die viel zu oft mutlos ist. Wir bräuchten ein Verbraucherschutz, der uns Spieler vor dem Kontrollwünschen der Industrie bewahrt. Dies wird umso wichtiger, je mehr der Vertrieb von Spielen rein digital stattfindet. Auch versagt die Politik bei der Anerkennung und Förderung von Spielen, die sich nicht dem Mainstream unterordnen wollen. Schlimmer noch: die Politik versucht Spiele eher nach ihren eigenen Vorstellungen zu beeinflussen. Da man der falschen Vorstellung unterliegt, dass ein Spiel ein reines Kinderprodukt ist, werden Inhalte, die für unsere Kinder als ungeeignet erscheinen, ausgeblendet. Kinder sollen schließlich nur kindergerechte Spiele spielen dürfen. Wenn denn aber mal ein Spiel daherkommt, wie etwa zuletzt Spec Ops: The Line, welches das Thema Krieg deutlich kritisch angeht und eben nicht so sind, wie der typische 08/15-Kriegsshooter, dann wird er nicht gefördert. Er wird auch nicht beim diesjährigen Deutschen Computerspielpreis ausgezeichnet. Schließlich ist Krieg und Gewalt ein kontroverses Thema. Und vor allem nichts für Kinder.

Wenn dieser ganze Themenkomplex aber auch nur einen Menschen betrifft, dann geht er uns alle etwas an und auch wir alle müssen daran arbeiten, dass es besser wird. Schließlich ist kein Mensch ist eine Insel.

„Der PC ist tot!“, ich hoffe nicht!

Warum ein Verlust des PCs als Spieleplattform ein herber Schlag für die Branche wäre, aus der Sicht eines Laien, anhand des Beispieles Battlefield: Bad Company 2.

Immer wieder höre ich von verschiedenen Seiten, der PC habe als Plattform ausgedient und die Konsolen seien die Zukunft. Immer mehr Entwickler veröffentlichen Spiele, welche „ursprünglich“ PC-Titel waren,  auch, zuerst oder teilweise nur für die Konsolen. Einige erinnern sich vielleicht noch daran, wie LucasArst an einem 1. April verkündete, sie wollen von ihrem neuen Spiel The Force Unleashed keine PC-Version herausbringen. Zuerst denkt man, es handele sich hierbei um einen Aprilscherz – nicht zuletzt wegen des Datums. Es war dann doch keiner. Erst viel später wurde eine Version für den PC nachgereicht. Wenn man sich dann weiterhin die Verkaufszahlen der neusten Spiele auf den verschiedenen Plattformen anschaut, haben Konsolen oft die Nase vorn.

Immer mehr Entwickler wandern auf die Konsolen, portieren ihre PC-Titel für die XBox und die PS3, oder veröffentlichen ihre neusten Spiele für alle Systeme. Dies führt natürlich auch zu einigen Problemen: schlechte Portierungen, „Einheitsversionen“, welche nicht ganz PC, nicht ganz Konsole sind, Vereinfachung von Spielinhalten (Casualisierung). Es gibt tausend Dinge, wo man mit dem Finger drauf zeigen könnte. auch könnte man viele Punkte, welche ich eher negativ sehe auch begrüßen. Nichtsdestotrotz möchte ich die Aufmerksamkeit gerne auf zwei Punkte richten, welche ich dann doch sehr wichtig finde. Und nein, ich möchte nicht einfach Konsolenbashing betreiben. Ich besitze ja selber zur Zeit zwei (PS3 und Gamecube) und hatte auch vorher schonmal welche (NES und PSOne).

Und jetzt mal ganz ehrlich: ich liebe BF:BC2 für meine PS3 (die ich fast noch mehr liebe). Zwar auch dadurch beflügelt, dass mein PC schon längst Rente beanspruchen könnte zocke ich immer mehr an der Konsole und dort dann meistens BC2. Den Einzelspieler habe ich kaum angerührt (nur als EA mal die Server gewartet hat), sondern bin gleich zum Mehrspieler übergegangen und muss sagen, er bringt einfach nur Spaß. Allerdings schwindet dieser so langsam, denn nach nun mehreren Monaten macht sich die Monotonie breit. Alle Waffen und Gimmicks sind freigeschaltet, fast alle Auszeichnungen sind erreicht und vor allem: Ich habe alle Maps nun schon hundert mal rauf und runter gespielt.

Insgesamt gibt es 10 Maps. Sollte reichen, meint man. Allerdings sind dies 10 Maps für insgesamt 4 Spielmodi, was zwangsläufig zu Mehrfachnutzung führen muss. Aber schauen wir uns erstmal die Spielmodi an. Da hätten wir einmal „Conquest“, „Rush“, „Squad-Rush“ und „Squad-Deathmatch“. Die letzten beiden sind nicht ganz so wichtig (für nicht Clan-Spieler) und nutzen die Maps aus den ersten beiden Modi. Diese sind wiederum „das Hauptspiel“, will ich mal sagen. Hier gab es zu Anfang viele unterschiedliche Maps, für diese beiden unterschiedlich zu spielenden Modi. Das war auch sehr toll, da die Maps für den jeweiligen Spielmodus ausgelegt waren (Rush-Maps waren schlangenförmig, Conquest-Maps weit und offen). BF:BC2 erschien im März dieses Jahres, also ist nun *fast* schon ein Jahr seit Release vergangen, an der Gesamtzahl der Karten hat sich jedoch nichts getan, obwohl Dice bereits 6 „VIP“-Mappacks veröffentlicht hat. Wie geht denn das, fragt ihr euch. Kein Problem. Erklär ich euch.

Nun, Dice dachte sich, dass man zu beginn schnell hintereinander Kartenupgrades herausbringt. Will meinen, dass Karten, die zuvor nur als Rush spielbar war, nun auch als Conquest-Map spielbar ist. Das Spielfeld wurde begrenzt, ein paar neue Objekte wurden platziert, fertig ist die „neue“ Map. Die Sache ist nur, dass die „neuen“ Karten schon auf der Blueray enthalten waren. Runterladen brauchte ich die Mappacks zumindest nicht. Wirklich viel Spielspaß, brachten sie nicht. „Was, alles nur Mapklone“, wäre wohl jetzt die nächste Frage und hier ist die Antwort, naja, nicht ganz. Im zweiten, oder dritten, Kartenpacket war dann doch eine neue dabei. Naja, eigentlich auch nicht wirklich neu. Es gab zuvor eine Conquest-Map, wlche in einem Talkessel mit einem Staudamm spielte. Ein paar Häuser auf kleinen Inseln im hüfthohen Wasser. Nun kam noch die Rush-Variante hinzu welche, entgegen der anderen „neuen“ Karten, zuvor nichtbegehbare Kartenabschnitte enthielt. Ein kleines Stranddorf, und zwei kleine Basen entlang eines Flusses, welche man einnehmen muss, bevor man in den bekannten Talkessel kommt.

Vor ein paar Tagen habe ich im Battlefield-Blog gelesen, dass die Entwickler sich dann doch nochmal hingesetzt haben um neue Karten zu basteln, so jetzt in echt. Wobei auch das stimmt nicht ganz. Zwei der neuen Karten stammen aus dem Vorgänge, zwei weitere sind von der Einzelspieler-Kampagne inspiriert, wenn nicht sogar direkt daraus entnommen. Ok, vielleicht bin ich ja pingelig. Die PS3 ist meine erste Konsole der neusten Generation, mit der man vernünftig übers Internet spielen kann. Vielleicht ist das ja einfach so. Vielleicht bin ich auch zu sehr verwöhnt vom PC, wo es für Counter-Strike mehr Karten gibt als Gina Wild Pornos gedreht hat. Vielleicht.  Dies ist aber möglicherweise auch genau der Punkt. Auf dem PC, würde es *fast* ein Jahr nach Veröffentlichung eines Spiels schon etwa zehn gute Mehrspielerkarten von Fans geben, etliche Remakes aus den Vorgängerspielen und auch Nachbauten von berühmten Maps aus anderen Spielen.

Aber auch in anderen Bereichen ist der Mehrspielermodus eingeschränkt. So fehlt eine essenzielle Funktion eines jeden teambasierten Spieles: das man die Mannschaft wechseln kann. Beinah jedes moderne Spiel (auf demPC) hat serverseitig Funktionen um die Spielerteams auszugleichen, falls mal eines zuwenig Spieler hat. Ich möchte Bad Company 2 nicht unterstellen, dass es dies nicht tut, wenn man einem Server beitritt, während das Spiel läuft, passiert dies jedoch nicht. Bei CS, oder auch Day of Defeat, gibt es teilweise sogar Funktionen, welche dafür sorgen, das gute Spieler ins schlechtere Team wechseln, damit die Chancen besser ausgeglichen sind. Auch das fehlt leider komplett.

Keiner der beschriebenen Sachen stammt wohl von den CS oder DoD machen selbst. Es waren Fans, oder findige Leute, welche die Maps und Server-Tools zusammengebastelt haben. Nun, diese Fans gibt es bei Konsolen auch, nur sind ihnen leider die Hände gebunden. Wer hat den schon bitte ein Software Developer Kit (SDK) für eine der Konsolen, außer die Entwickler selber? Wurde schon ein Karteneditor veröffentlicht? Hat schon jemand auch so tolle Server-Tools gebastelt? Das Dice das selber in die Hand nimmt ist nicht wahrscheinlich.

Für die Server-Apps müssten sie Zeit und Geld investieren in etwas, was sie dann später nicht verkaufen können. Von anderen Leuten gemachte Programme werden sie wohl auch nicht nehmen, schließlich sind das Dice/EA-Server und die werden den Teufel tun, als dort drauf Fremdsoftware laufen zu lassen (teilweise verständlich, könnte ja zu Fehlern im Spiel führen, wofür dann sie verantwortlich gemacht würden). Und wie man sieht, haben sie es mit neuen Karten auch nicht sonderlich eilig (zumal sie ja schon längst am nächsten Spiel arbeiten: Bad Company 2 Vietnam).

Hab in einem Forum gelesen, dass Dice einen Mapeditor nur vielleicht veröffentlichen will. Wenn sie es doch tun, werde ich als Konsolenspieler auch in den Genuss dieser neuen Karten kommen können? Hätte ich mir dann vielleicht doch die PC-Version holen sollen um in den Genuss seiner systembedingten Annehmlichkeiten zu kommen? Auf der Konsole spiele ich auf Firmenserver, welche diese (noch) netterweise kostenlos zum spielen zur Verfügung stellen. Dieser Trend greift ja auch langsam auf den PC über, aber dort gibt es eben auch freie Server auf denen oft Fankarten laufen. Und diese Server sind es dann meist auch, welche noch laufen, wenn die Firmenserver längst abgeschaltet sind.

Was mache ich also mit meinem BC2 wenn EA seine Server dicht macht? Das bisschen was ich vom Einzelspieler gesehen habe, war so „naja“. Ich möchte auch noch in drei, vier oder fünf Jahren dieses ansich gute Spiel spielen wollen. Hierfür bräuchte es aber auch für Konsolen freie Server von der Community, auf denn die Maps der Community und die Tools und Apps der Community laufen. Bei Konsolen haben die Firmen aber lieber das Monopol auf die Bereitstellung des Spielplatzes. Und diese schmuddeligen anderen Kinder dürfen zwar mitspielen, aber nicht entscheiden was gespielt wird. Leider wird sich dies in absehbarer Zeit aber wohl nicht ändern. Schade.

Dies führt mich nun zu meinem letzten Punkt. Wenn immer Entwickler ihre Spiele für die Konsolen  veröffentlichen scheiden sie sich damit ins eigene Fleisch. Wie oben bereits angeschnitten ist das modifizieren von Spielinhalten auf Konsolen nahezu nicht möglich. Das hinzufügen von neuen Karten, Waffen oder der gleichen findet einzig und allein über die Entwickler statt, welche kleine Erweiterungen zentral über die Distributionsplattform des Konsolenherstellers vertreiben (XBox Marketplace etc.). Dies meist dann auch noch für extra Geld (für BC2 darf ich mir also einen weiteren Spielmodi kaufen, für ein Spiel das ich schon längst besitze um diesen dann anschließend auf den selben Maps wie zuvor spielen zu können). Dies wird letztendlich dazu führen, dass sich die Spielebranche selbst ihres Nachwuchses beraubt.

Weniger Menschen werden mit der Materie des Spielentwickelns selbst in Berührung kommen, da dies bisher nur auf dem PC möglich ist. Weniger Leute sammeln schon erste Erfahrungen mit Entwicklertools wie Mapeditoren und sehen schon so ob ihnen soetwas liegt. Und dies gerade jetzt, wo immer mehr Menschen mit den Spielen erreicht werden und somit der Pool aus dem der Nachwuchs rekrutiert werden kann immer größer wird. Vielleicht sehe ich das ganze auch nur zu schwarz und es ist alles garnicht so wie es einem die Leute sagen. Der PC ist garnicht tot, er hat nur eine schlechte Phase. Möglich wäre es. Zumindest hoffe ich das.



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