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Hört ihr die Signale?

Es war ja nun sehr lange ruhig. Kein Schoolshooting, kein Amoklauf, keine marodierenden Banden von Jugendlichen, welche nach einer LAN-Party raubmordend durch deutsche (oder sonstige) Innenstädte gezogen sind. An den letzten großen Ausbruch des öffentlichen moralischen Empörens über „Killerspiele“ (bitte fügen sie hier in ihren Gedanken dramatische Musik hinzu, Anm. d.Autors), mag man sich kaum noch erinnern. Das heißt nun aber nicht, dass es still um unsere Pappenheimer ist – es schreibt nur gerade keiner über sie. Die Forderungen bleiben aber bestehen und es bleiben auch die alten… und sie werden dann hervorgebracht, wenn man nicht damit rechnet.

Erst vor kurzem hat hat das „Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden“ ihre Petitionen für ein schärferes Waffenrecht und zum Verbot von „Killerspielen“ eingereicht haben – nach etwas über einem Jahr des Stimmensammelns und mithilfe von Methoden, welche man nicht unbedingt gut heißen muss – passt es natürlich, wenn sich der Innenminister Baden-Württembergs ebenfalls mal wieder zu Wort meldet. Bei einer Veranstaltung, bei der etwa 30 Lehrer an einer Fortbildung mit dem blumigen Titel „Killerspiele und Amoklauf“ teilnahmen, in der die Lehrer auch mal selber spielen sollten, polterte der Minister zum Ende der Veranstaltung mit seinen persönlichen Vorstellungen zum Thema Computerspielen. Selber gespielt hat er natürlich nicht – er würde sich wohl lieber selber die Hand abhacken, bevor er mit jener einen virtuellen Schuss abgibt. Das die Journalistendarsteller der Badischen-Zeitung dies ordentlich abfeiern und in mannigfaltig tendenziöser Sprache formulieren, war ja klar. Als Spieler ist man ja schon viel gewohnt, so dass einem ein „Wie fühlt sich an, virtuell zu töten?“ als Einleitung schon kaum noch aufregt – man stumpft dann halt doch langsam ab.

Es ist dann aber doch das, was der Herr Minister sich da zusammen reimt, welches ein jeden Aufhorchen lassen sollte. Man muss nicht zwingend Video- oder Computerspieler sein um so etwas für gefährlich zu halten. Spätestens seit Zensursula sollte ein jeder Demokrat ein komisches Gefühl in der Magengegend bekommen, wenn er etwas vorgesetzt bekommt, das nach Symbolpolitik aussieht. Nach ein paar typischen Phrasen äußert Herr Rech dann nämlich folgendes:

Ein Verbot von Killerspielen löst nicht das Problem, aber es ist ein Signal.

Richtig, Herr Minister. Bevor man gar nichts tut (was man bisher ja sehr gut geschafft hat), tut man lieber etwas, was damit überhaupt nichts zu tun hat. Aber hey, man solle sich ja nicht vorwerfen lassen, man hätte nichts unternommen. Besser kommt es natürlich noch, wenn man das was man tun möchte, auch noch selbst als Wirkungslos beschreibt. Super gemacht! Natürlich sollte es in Zeiten, in dem wir erneut bestätigt bekommen haben, dass Deutschland weltweit der drittgrößte Rüstungsexporteur ist, klar sein, dass wir unsere armen Kleinen vor den bösen Killerspielen aus den bösen USA schützen müssen.

Kriegsspiel ‚wegpädagogisieren‘, was in Deutschland spätestens seit dem 2. Weltkrieg geschah, schafft nicht den Krieg ab. Zudem wäre die Abrüstung im Kinderzimmer allein nur moralische Doppelzüngigkeit in einem Land, welches weltweit drittgrößter Rüstungsexporteur ist.

So schrieb einst Jens Wiemken 2001. Dieses Zitat lässt sich natürlich auch wunderbar auf PC-Spiele und Schoolshootings übertragen und trifft genau den Kern des ganzen. Ich kann nicht genau wissen, was Herr Rech meint, was ein Verbot genau bewirken soll. Gut, es soll ein Signal sein, aber für was? Glaubt etwa jemand ernsthaft, dass jemand vor seinem PC sitzt und sich denkt „Verdammt, Killerspiele sind verboten. Dann muss ich mir das mit meinem Amoklauf nochmal überlegen.“ Allein die Vorstellung ist grotesk.

Das Signal, dass vom Innenminister hier ausgesendet werden würde ist, dass auch in Zukunft von Menschen wie Herrn Rech nur Symptome  behandelt werden, aber keine Ursachen. Es wäre ein Signal für die Fortsetzung reiner Symbolpolitik. Und vor alle dem wäre es ein Signal dafür, dass man auch weiterhin gerne Politik für moralinsaure, erzkonservative, heuchlerische, Betroffenheit vortäuschende und dem Altersstarrsinn verfallene Spießer machen möchte, welche zu alles und jeden , was nicht in ihr Weltbild passt, erstmal die Frage stellen, ob man so etwas denn nun braucht. Und hierfür sind Vorwände wie Jugendschutz oder Straftatverhinderung die idealen trojanischen Pferde um ihre persönlichen Moralvorstellungen auf die Gesamtgesellschaft zu übertragen. Denn wir alle lieben doch unsere Kinder, nicht wahr?

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Gewalttabu beim Deutschen Computerspielpreis

Anmerkung: Dieser Blogeintrag ist genau der selbe, den ich auch für den ‚Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler‚ geschrieben habe. Ich veröffentliche ihn hier aber auch, damit hier auch mal was neues steht.

Man hätte ihn fast verschlafen können, den Deutschen Computerspielpreis, da einem im Vorfeld nur wenige Meldungen erreichten, die ihn in der Sache ankündigten. Die Tatsache, dass er überhaupt vor einigen Tagen stattfand, nahmen viele wohl erst wahr, als sich die ersten Kommentare und Presseberichte erschienen, welche über den Skandal bei den Nominierungen berichteten.

<em>„Für den deutschen Filmpreis ist dieses Jahr unter anderem der Baader-Meinhof-Komplex nominiert. Hätte ein Entwicklerstudio die RAF-Ballerorgie aus dem Hause Eichinger als Computerspiel umgesetzt, es hätte beim deutschen Computerspielpreis keine Chance gehabt. […] Spiele mit einer Altersfreigabe ab 16 oder 18 Jahren fanden sich in keiner der preiswürdigen Kategorien. Dem Thema Gewaltspiel gingen die Veranstalter somit trotz aktueller Diskussion um das Verbot von Killerspielen weitestgehend aus dem Weg“</em>

So schrieb Mirjam Hauck (<a title=“Sueddeutsche.de“ href=“http://www.sueddeutsche.de/computer/43/463649/text/&#8220; target=“_blank“>Sueddeutsche.de</a>) 2009 über den ersten Deutschen Computerspielpreis, welcher in München stattfand. Fairerweise muss man sagen, dass es damals nicht sonderlich viele Titel jenseits der USK 12 zur Auswahl gab, die man hätte nominieren und küren können. Allerdings hatte man sich in der Kategorie „Bestes internationales Spiel“ von der Fachjury „Grand Theft Auto IV“ gewünscht. „GTA IV“ wäre wegen seiner spannend inszenierten Geschichte, welche nicht mit Seitenhieben und Referenzen auf die Gesellschaft der USA geizt, ein würdiger Kandidat gewesen. Leider ist dieses Spiel auch ab 18, da wiederum die Art wie sich das Spiel inszeniert nichts für Kinder ist. Somit konnte man die Hauptjury, welche hauptsächlich aus Politikern und Pädagogen besteht, von dem Spiel nicht überzeugen. Stattdessen wurde „Little Big Planet“ und „Wii-Fit“ ausgezeichnet, zwei besonders kinder- und familienfreundliche Spiele, und man konnte ahnen in welche Richtung der Preis in Zukunft tendieren würde.

<em>„Im nächsten Jahr wird der Deutsche Computerspielpreis in Berlin verliehen. Vielleicht hilft die räumliche Nähe zum großen Bruder Filmpreis dabei, alle Facetten der Branche zu würdigen – und nicht nur Kommerz-Kuschel-Pädagogik.“</em>

So schloss Frau Hauk ihren Artikel, jedoch sollte sie Unrecht behalten. Waren die Preisträger in diesem Jahr eher unbekannt oder vorhersehbar, wie das durchaus hervorragende Aufbaustrategiespiel Anno 1404, gab es auch in diesem Jahr erneut ein Eklat bei  den Nominierten in der Kategorie „Bestes internationales Spiel“. Auch dieses Mal schlug die Fachjury Spiele vor, welche den Hauptjuroren nicht genehm waren. Bei der diesjährigen Verleihung waren die beiden Titel „Dragen Age: Origins“ und „Unchartet 2“ die auserkorenen, welche dem Preis gewissermaßen seine <em>Credibility</em> zurückbringen sollte. Ersteres Spiel ist eine etwas erwachsener Umsetzung einer Tolkien entlehnten Fantasywelt, während „Unchartet 2“ sich in Punkto Story an die Indiana Jones-Filme und in Punkto Action an die neuen James-Bond-Filme anlehnt. Doch leider waren auch dieses Jahr Spiele, in denen auch nur im Ansatz das Thema Gewaltausübung (durch die Spielfigur und somit den Spieler) dargestellt wird, nicht erwünscht. Dies erscheint nicht sonderlich verwunderlich, wenn man bedenkt, dass in der Hauptjury Personen wie Wolf-Dieter Ring, seines Zeichens Chef der Kommission für Jugendmedienschutz, vertreten sind. Dieser soll angeblich vor ein paar Jahren auf den Münchner Medientagen gesagt haben, dass das ‚gute‘ am Jugendschutz ja sei, dass auch Erwachsene nicht so einfach an die entsprechenden Produkte kommen könnten. <em>„Ring bringt zu den Jury-Sitzungen manchmal eine Assistentin mit, die geringschätzig den Kopf schüttelt, wenn einer der Jüngeren für ein Spiel spricht, in dem auch geschossen wird“</em>, schreibt Thomas Lindemann (<a title=“Welt.de“ href=“http://www.welt.de/die-welt/kultur/article7370469/Eine-Raeuberpistole.html&#8220; target=“_blank“>Welt.de</a>) in seinem Artikel im Vorfeld der diesjährigen Preisverleihung. Man kann sich also vorstellen welche Spiele hier ausgezeichnet werden und welche eher nicht.

Unter solchen Vorraussetzungen kann das natürlich nichts werden, wenn man die Jury mit Leuten besetzt, welche Computerspiele im besten Fall nur als Produkt für Kinder ansehen und nicht als ausgewachsenes Medium, welches von allen Altersklassen konsumiert und geschätzt wird. Und so kam es wie es kommen musste. Die beiden Vorschlage (zusammen mit der chancenlosen Nominierung des Puzzelspieles „Professor Layton und die Büchse der Pandora“) wurden über Bord geworfen und man beabsichtigte keinen Preis in der Kategorie „Bestes internationales Spiel“ zu vergeben. Das fanden die Branchenvertreter aber gar nicht gut und übten Druck auf die Jury aus, dass wenn sie schon die Hälfte des Preisgeldes bestreiten, man doch wenigstens ihre Titel auszeichnen solle. Dies mag man nun als Lobbyismus auslegen, erscheint einem vor dem Hintergrund, dass für das „Beste internationale Spiel“ kein Preisgeld vergeben werden (immerhin gibt es ansonsten insgesamt 500.000€ zu gewinnen) doch eher wie ein Hilferuf, dass man Computerspiele endlich ernst nehmen solle. Letztendlich gewonnen hat Anno 1404 ein zweites Mal — da es kurzerhand unter seinem internationalen Namen „Dawn of Discovery“ nachnominiert wurde.

Dabei hatte man sich diese Jahr vorgenommen es besser zu machen als beim letzten Mal. Die Ausrichter des Preises waren anwesend und auch die Politik (in Form von Kulturstaatsminister Bernd Neumann und Bürgermeister Klaus Wowereit) war anwesend und nicht so wie im letzten Jahr, als Ministerpräsident Horst Seehofer kurz vor Beginn absagte (er war angeblich lieber auf einer Veranstaltung eines Schützenvereins). Auch wurden im Vorfeld keine provokanten Pressemitteilungen von Politkern veröffentlicht, welche unter dem Eindruck von dem Amoklauf von Winnenden entstanden. Man hatte dieses mal vernünftige Laudatoren organisiert (u.a. die beiden Moderatoren Simon und Budi von MTV GameOne, Schauspieler Matthias Schweighöfer, Sänger Oli P. sowie die Moderatorin der 3sat-Sendung „neues“ Yve Fehring). Doch dies alles kann nicht über den grundlegenden Konflikt innerhalb der Preisvergabepraxis hinwegtäuschen. Eine Jury die nach eigenem Gutdünken, ohne die Spiele zu kennen, über die sie urteilt und sie nach persönlichen Moralvorstellungen aussortiert, ist keine gute Jury.

Erst vor kurzem lobte Staatsminister Neumann den neusten Film von Quentin Tarantino ,„Inglourious Basterds“. Beim Deutschen Computerspielpreis legte Neumann jedoch besonderen Wert darauf, dass die Nominierten „pädagogisch Wertvoll“ seien sollen. Ob Tarantinos Streifen nun ein guter Film ist oder nicht, sei erst einmal dahingestellt, jedoch erscheint es merkwürdig, wenn beim Medium Computerspiel andere Maststäbe angesetzt werden als beim Medium Film. Man kann halt nicht Wasser predigen und dann selber Wein trinken, wenn es gerade opportun ist (auch wenn wir uns alle über den Oscar für Christoph Waltz gefreut haben). Beim nächsten Mal können die Veranstalter zeigen, ob sie etwas aus diesem Jahr gelernt haben. Dann wird die Jury über Titel wie „Heavy Rain“ urteilen, einer der ersten Spiele aus der Kategorie „interaktiver Film“. Sollten jedoch wieder Spiele aussortiert und durch andere ersetzt werden, welche eher der Sauberkeitsvorstellung der Hauptjury entsprechen, ist der Deutsche Computerspielpreis endgültig zur Preisverleihung für <em>Kommerz-Kuschel-Pädagogik</em> verkommen und wird in die Bedeutungslosigkeit abdriften.

Da von der Seite der Politik oder der Jugend- und Sittenwächter so schnell keine Besserung in Sicht ist, sollte man an die Vertreter der Branche und aus der Fachjury appellieren, sie möge sich darüber Gedanken machen, ob sie nicht vorher schon die Notbremse ziehen möchte. Wenn man es bei diesem Preis nicht schafft, dass jedwedes Spiel ausgezeichnet werden kann, sondern das er ein „moralisch unbedenklicher Kinderspielpreis“ bleibt, wird es vielleicht Zeit zu überlegen, ob die dort eingesetzte Energie, Zeit und Gelder nicht an anderer Stelle besser aufgehoben ist. Mehr Akzeptanz von Computer- und Videospielen als eigenständiges Medium und als vollwertiges Kulturgut wird man nämlich nicht erreichen, wenn man sich vor unbequemen Themen verschließt – zumal das bei anderen Preisverleihungen, wie zum Beispiel in der Filmbranche, auch nicht der Fall ist. Solch eine Preisverleihung wie in den vergangenen beiden Jahren ist weder der Branche, der Fachjury, der anwesenden Fachpresse, dem Publikum, den Spielen noch letztendlich den Spielern angemessen.

Warum ich den etablierten Parteien nicht traue

Lange war es still hier. Längere Artikel wollt ich irgendwie nicht schreiben, hab mich auch lange drum gedrückt. Doch die aktuellen Ereignisse zwingen einen doch irgendwie mal was zu schreiben. Nachdem nun die Internetsperren da sind, entgegen aller Warnungen und Vorbehalte. Dabei sind die Bedenken durchaus berechtigt, aber in den sonstigen, sogenannten „Qualitätsmedien“ hört man nichts dazu.

Hat einer von euch schonmal einen Ausschnitt dazu aus der Bundestagsdebatte dazu gesehen? Die ARD meldete dies nur in einem Nebensatz (der auch noch faktisch falsch war), die Privaten hatten soweit ich weiß nichts wirkliches dazu (RTL vielleicht eine kleine Einführeung dazu), einzig das ZDF hatte dazu einen längeren Beitrag dazu, da ging es aber eher um „Internetsperren Pro und Kontra“, nicht aber um das aktuelle Gesetz. Dabei gab es in beiden Bundestagsdebatten dazu gerechtfertigte Kritik zum Gesetzesentwurf, wo ich eigentlich erwartet hätte, dass diese von den Medien auch aufgegriffen wird und vor allem, dass man darüber berichtet. Schließlich will man doch wirklich gegen Kinderpornografie vorgehen und nicht nur Symbolpolitik betreiben. Aber auch das zeigt wieder, es geht garnicht um Kinderpornografie, ging es noch nie.

Wenn man in der Öffentlichkeit jedoch Kritik am Gesetzt äußert wird man entweder belächelt, nicht verstanden, oder schlimmer noch man wird für einen Kinderpornokonsument gehalten. Dabei hat die Opposition damals alle Kritikpunkte in der Debatte dazu aufgegriffen, sowohl in der ersten Lesung (FDP, die Linke, die Grünen), alsauch in der zweiten Lesung (FDP, die Linke, die Grünen). Von diesen drei Parteien wurde sämtliche Kritik, welche zu diesem Gesetz geäußert wurde aufgegriffen. Gebracht hat es ziemlich wenig. Im Gesetzt steht, dass es nicht ausgeweitete werden soll, bzw. dass es nicht für „zivilrechtliche Belange“ verwendet werden darf. Ja, klar. Für sowas brtauch man ja auch so ein Gesetz und socl h eine Infrastruktur nicht. Alles was man damit Sperren will ist teil des Strafrechts (welches nicht Teil des Zivilrechts ist). Das ganze Gesetz ist doch eine Farce. Sie wollen es nicht ausweiten, und dennoch kann ich ihnen nicht wirklich glauben.

Soweit ich das Verstanden habe war der Hauptkritikpunkt an der ganzen Debatte, dass sich die Leute partou weigerten, dass das BKA die zu sperrenden Seiten im Vorfeld nicht bei einem Richter vorlegen muss. Aus diesem Kritikpunkt resultiert nämlich der ganze Rest (Internetzensur etc.). Aber wenn man darüber nachdenkt ist das ja auch ganz klar. Die wollen doch, dass auch Seiten gesperrt werden können, welche kein kinderpornografisches Material enthalten. Korrigiert mich gerne wenn es jetzt nicht mehr so ist, jedoch konnte man nach dem alten Gesetzes Entwurf auch mittelbare Seiten Sperren (bzw. gleich ganze Domains). Da man neuerdings sich schon die Begründungen für Hausdurchsuchungen aus Glückskekstexten zusammenstellen kann, kann man auch gleich Seiten sperren, welche vielleicht nichtmal nur direkte Links aufweisen sperren, sondern auch Verweise geben, wo z.B. etwähige geleakte Sperrlisten zu finden sind. Zudem können so auch unliebsame Konkurrenten ausgeschaltet werden, indem jmd von einer Firma einen Kinderporno-Link in ein Forum o.ä. der Konkurrenzfirma postet. Stopp-Schilder, wobei dieses Verkehrszeichen ansich total falsch ist, können somit überall sprießen.

Nun sollen die Daten nicht mehr ans BKA übermittelt werden, bzw. nichtmehr zur Strafverfolgung verwendet werden. Es wird den Providern jedoch nicht untersagt mehr oder weniger Freiwillig die Daten doch an das BKA auszuhändigen (wer will schon die Strafverfolgung von Kinderschändern behindern), oder man greift sowieso einfach auf die Verbindungsdaten aus den Voratsdatenspeichern zurück und verlgeicht sie mit den Sperrlisten. Willkommen in der schönen neuen Datensammel-Welt.

Wenn es denn aber wirklich nur um Kinderpornografie gehen würde, auch nur zum schein (weil dann könnte man sie wegen ihrer unwirksamkeit wirklich mal auseinander nehmen), aber leider war dies nicht wirklich das Ziel der Union. Am 18. 6. um 20:05 war die Abstimmung beendet (siehe letzter Beitrag), um 21:20 meldete der Kölner Stadt-Anzeiger bereits „Auch Killerspiele sperren“. Natürlich wollen sie dich Sperren ausweiten. Die bittsteller kamen vorher an und nun auch hinterher. Bei Killerspielen ist es halt der Deckmantel des jugendschutzes. Das Argument zieht genauso wie „die Bekämpfung von Kinderpornografie“.

Glaubt ihr mir nicht? Vor wenigen Tagen wurde eine LAN-Party verboten. Die Begründung war, dass dort Counter-Strike (dt.) und Warcraft III (dt.) gespielt werden sollte. Das CS (ab 16) zu den üblichen verdächtigen gehört, weiß wahrscheinlich auch jemand, welcher noch nie ein PC-Spiel angerührt hat. Was aber Warcraft III (ab 12!) in dieser Killerspieldiskussion verloren hat, kann wahrscheinlich nicht einmal der Journalistendarsteller beantworten, welcher es offiziell zu einem Killerspiel gekürt hat. Die LAN-Party war übrigens nur für volljährige Spieler zugänglich. Nun will ich mal aus folgendem Artikel zitieren:

Auch das Argument der Veranstalter, dass die Teilnehmer der LAN-Party über 18 Jahre alt sein müssen, ändert für Path nichts an der Tatsache, dass die Jugend von Karlsdorf-Neuthard geschützt werden müsse.

Es geht garnicht um Jugenschutz, ging es noch nie.

Beim Wählen sollte man also ganz genau hinsehen, wasm an da wählt. Die CDU/CSU hat in ihrem Wahlpogramm schon festgeschrieben, dass die Internetsperren auf Urheberrechtsverletzungen ausgeweitet werden sollen. Die SPD ist eine Verräterpartei. Die FDP gibts nur zusammen mit der Schwarzen Pest. Man macht sich schon Gedanken, was man noch wählen soll. Irgendwie wird es immer dunkler in Deutschland, und das kann einem wirklich angst machen.

Nun ist es da…

Mit nur drei Gegenstimmen aus der SPD mit der Mehrheit der Koalition durchgeboxt…

Hmm, da war doch mal was? Achja

Das doofe an Zensur ist…

████████ ███████████ ███ ███████ ██ ███████████████ ███.

Wählen gehen?

zettel

Man sollte sich schonmal Gedanken darüber machen. (Gefunden: Stigma-Videospiele.de)

Politik der aufgeschreckten Hühner

Oh ja, Wahlzeit. Da machen Politker immer so komische Dinge. Vor allem Versprechungen. Diese Versprechungen sind vor allem auch dafür da uns in Sicherheit zu wiegen. So will man nach einem Amoklauf schnell Computerspiele verbieten, denn diese sind ja gefährtlich. Deswegen müssen diese Verboten werden. Das hat man ja hier wieder gesehen. Deswegen muss man hart durchgreifen. Dies nimmt teilweise aber grotesken Zügen an, vor allem, da nun auch vom virtuellen zum realen Spiel übergegangen wird. Waren schon vorher einige kaum nachzuvollziehende Panikreaktionen seites der Jugendämter, der Bahn und einer Kaufhauskette über uns hergeschwappt, meinen die Polikter aus Winnenden ziehen zu müssen, dass man Paintball, Laserdome, Gotcha u.ä. Spiele verbieten zu müssen.

Schließlich wird hier das Töten simuliert. Ahja. Das sehen die Betreiber natürlich anders. Das ist auch gut so. Der Sport ist übrigens ab 18, was auch immer schon so war. Das wir alle dadurch zu militarisierten Killern werden halten viele für nicht nachvollziehbar, so auch ich nicht, zumal es doch Dinge gibt, die einen das Gegenteil vermuten lassen. Der Sport ist zudem nicht sonderlich gefährlich. Gibt höchstens mal ein paar blaue Flecken. Nicht alle halten dieses Verbot für Sinnvoll, allen voran z.B. die Polizei. Zudem gibt es sogar teile der Jusos, die sich gegen soetwas stellen und diese ganze Verbieterei als „demokratiegefährdent“ sehen.

Dieser Vorstoß der Großen Koalition ist natürlich nur Symbolpolitik. Ernsthaft was tuen wollen sie natürlich nicht. Schließlich steht die Wahl bald vor der Tür. So verwundert es auch nicht, dass man die mächtige Wählerschaft der Jäger und Sportschützen nicht gängeln will, was man z.B. mit einem rigorosen Verbot von großkalibrigen Schusswaffen für Sportschützen erreichen würde. Solch ein Verbot wurde 1997 in Großbritannien erlassen, nach einem Amoklauf. Hierzulande kann man sowas nicht machen. Es ist ja Wahlzeit. Waffenlobbyisten lachen sich ins Fäustchen.

Lorenz Marlot vom Tagespiegel hat hierzu auch eine Meinung. In seinem Artikel Peng, du bist tot! schreibt er:

Es ist lächerlich, als Konsequenz aus Winnenden ein nur für Erwachsene erlaubtes Spiel zu verbieten – aber auch bedrohlich. Der Staat betritt mit Gewalt eine Welt, in der er nichts zu suchen hat. Paintball wird auf privatem Gelände gespielt. Man mag es blöd oder abstoßend finden, aber wer nicht will, wird davon nicht belästigt. […] Unter dieser Regierung wird der Staat zur Moralinstanz – er maßt sich an, darüber zu richten, was gut ist und schlecht. Damit aber löst der Staat kein Problem. Er wird selber zu einem.

Superwahljahr, wir freuen uns, dass du da bist.



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