Posts Tagged 'Natur'

Eine neue Zeit bricht an!

Die Debatte um Computerspiele und Mediennutzung lässt mich nicht los. Wenn die großen Massenmedien nun ihr neues Thema gefunden haben, auf dass sie sich stüzen können (Schweinegrippe), so scheint das Thema über Computerspiele in der Gesellschaft nicht wirklich ausdiskutiert worden zu sein.

Als ich also, den Blogeintrag von Stefan Niggemeier „Medien im Blutrausch (2)“ überflog, wo auch das neue Video von stigma-videospiele.de verlinkt ist, stoß ich auf den ein oder anderen Kommentar, der mich doch etwas stutzig machte. Aussagen wie „Jungs, geht raus Fußball spielen!“ oder „Menschen die glücklich sind, suchen ihr Glück meist nicht vergebens im Internet“ haben mich doch irgendwo an der Wahrnehmung der dortigen Diskutanten zweifeln lassen.  Später redete eine Diskutantin gar davon, man solle doch mal wieder in die Natur zurückgehen…

Nunja in Hamburg haben wir es noch relativ gut, mit all den grünen Oasen dies hier überall in der Stadt gibt. Dennoch sieht es nicht überall so toll aus und auch nicht jede Grünfläche ist nicht gleich eine Oase. Doch stößt mir dieser Kommentar etwas sauer auf.

Zurück in die Natur? Mal nach draußen gehen? Solche Forderungen sind doch etwas scheinheilig, abgesehen davon dass nicht jeder computerspieler 24/7 nur vor dem Rechner sitzt. Ich komme aus einer Gegend, die in einem Baustil gehalten ist, der sich „Sozialer Wohnungsbau“ schimpft. Neben dem studieren spiel auch ab und zu mal Computerspiele, surfe im Netz und gehe auch mal auf Parties. Auch spiel ich mal draußen Fußball, wenn mich jemand fragt. Nur wenn ich da einige Kommentare lese, wo Personen mit einer, Verzeihung, fragwürdigen moralischen Überlegenheit meinen man „soll doch mal wieder raus gehen“, denn kann man nur sagen, die sollen sich mal dieses „Draußen“ mal genau ansehen.

Wo soll man den bitte Fußball spielen? Auf dem Rasen vor meinem Hochhaus, wo die Maulwurfshügel, der Matsch, Sträucher, Trampelpfade, Dreck und größere Steine eine vernüftige Spielfläche nicht zulassen?

Soll ich etwa auf dem „Bollzplatz“ auf der anderen Straßenseite spielen, wo die ganzen „coolen“ Kiddies mit ihren Handylautsprechern sitzen, auf den Boden rotzen, ihre Zigaretten auf den Boden ausdrücken und jeden Anmachen denn sie nicht kennen? Gute Idee. Anschließend hol ich mir denn meinen Besen und räum erstmal deren Müll weg.

Soll ich etwa auf der Grünfläche des Gymnasiums spielen, was sich bei mir in der Nähe befindet, wo die Schulleitung (wahrscheinlich nach Emstetten) die Schulzäune nochmal extra erhöht hat, so dass man sich die Hüfte bricht, wenn man von oben runter springt?

Haben diese Erwachsenen überhaupt eine Ahnung wie es für die heutige Jugend aussieht (gut, sicherlich haben diese das damals über sich gesagt). Die „Spielplätze“ die es hier gibt, sind höchstens was für Kleinkinder. Jugendzentren scheinen ein Geheimtipp zu sein, ich habe noch von keinem wirklich in meiner Nähe gehört, die in vernünftiger Zeit mit dem ÖNV zu erreichen sind. Abenteuerspielplätze Fehlanzeige. Machen wir uns nichts vor, für Jugendliche zwischen 14 und 19 gibt es nicht viel, was sie tun können. Mit 14/15 fängt das eh an mit den Diskos, wo sie ja auch nicht wirklich rein dürfen, weil ist ja böse. Und dann kommt man nach einen sch*** Tag aus der Schule will einfach nur in ruhe gelassen werden, bzw. mit den Schulfreunden chatten (oder mit welchen aus der ganzen Welt) und dann kommt so ein etwas übermotivierter Elternteil und meint, man solle doch mal wieder Fußball spielen.

Das dieser Elternteil selber nicht mitspielt, insgeheim vielleicht gar wieder Froh ist, dass er seine ach so tolle „Verantwortung“ als Erziehungsberechtigter wahrgenommen hat, weil er sein Kind ja von diesem bösen Computer weg gelockt hat, zudem sich möglicherweise freut, dass das Kind mal wieder außer Haus ist, dass alles merken „diese“ Erwachsenen nicht.

Schon als Kind hat mich im Fernsehen immer diese „Perfekte-Heile-Welt-Image“ tierisch gestört, nichts desto trotz kommen immer wieder Leute und versuchen einem eben dies zu verkaufen. Das um sie herum in dieser Welt Krieg, Hass, Tod und Hunger herrscht, merken sie nicht oder blenden es aus. Schlechte Dinge ‚wegzupädagogisieren‘ zu wollen, schafft doch nicht die schlechten Dinge ab.

Zudem:„Der Krieg scheint jenen süß, die ihn nie spürten“. Das wusste man schon in der Antike. Und gerade als Computerspieler merkt man wie schnell eben das (virtuelle) Leben vorbei sein kann. Wenn man zudem weiß, dass viele Leute die z.B. professionell Counterstrike spielen bewusst den Wehrdienst verweigert haben, kann ich nichts negatives daran erkennen, wenn man anstatt sich in einer Disko ins Delirium zu trinken und sich danach mit irgendwem zu prügeln mal Zuhause mit seinen Kumpels eine LAN-Party macht.

Eltern sollten sich für ihre Kinder und vor allem auch deren Hobbys interessieren. Spielen sie doch mal mit ihrem Kind eine Runde Mario Kart, You don’t know Jack oder auch World of Warcraft. Sie werden verdutzt feststellen, dass so was durchaus Spaß machen kann, selbst bei Sonnenschein. Und sie glauben ja gar nicht wie groß die Augen ihrer Kinder zu leuchten anfangen, wenn sie auf ihr Kind zu gehen und es ehrlich und aufrichtig fragen, wie man denn so was spielt und ob es dies einem gar beibringen könne.

In diesem Sinne…



%d Bloggern gefällt das: