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Podcast zum JMStV

Ich habe bei den Hamburger Piraten einen Podcast zum Thema „Jugendmedienschutz-Staatsvertrag“ gemacht. Wir gehen auch allgemein auf das Thema Jugendschutz ein, und besprechen zudem kurz einen Antrag, denn ich für den nächsten Landesparteitag am 9. März zum Thema eingereicht habe.

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Hört ihr die Signale?

Es war ja nun sehr lange ruhig. Kein Schoolshooting, kein Amoklauf, keine marodierenden Banden von Jugendlichen, welche nach einer LAN-Party raubmordend durch deutsche (oder sonstige) Innenstädte gezogen sind. An den letzten großen Ausbruch des öffentlichen moralischen Empörens über „Killerspiele“ (bitte fügen sie hier in ihren Gedanken dramatische Musik hinzu, Anm. d.Autors), mag man sich kaum noch erinnern. Das heißt nun aber nicht, dass es still um unsere Pappenheimer ist – es schreibt nur gerade keiner über sie. Die Forderungen bleiben aber bestehen und es bleiben auch die alten… und sie werden dann hervorgebracht, wenn man nicht damit rechnet.

Erst vor kurzem hat hat das „Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden“ ihre Petitionen für ein schärferes Waffenrecht und zum Verbot von „Killerspielen“ eingereicht haben – nach etwas über einem Jahr des Stimmensammelns und mithilfe von Methoden, welche man nicht unbedingt gut heißen muss – passt es natürlich, wenn sich der Innenminister Baden-Württembergs ebenfalls mal wieder zu Wort meldet. Bei einer Veranstaltung, bei der etwa 30 Lehrer an einer Fortbildung mit dem blumigen Titel „Killerspiele und Amoklauf“ teilnahmen, in der die Lehrer auch mal selber spielen sollten, polterte der Minister zum Ende der Veranstaltung mit seinen persönlichen Vorstellungen zum Thema Computerspielen. Selber gespielt hat er natürlich nicht – er würde sich wohl lieber selber die Hand abhacken, bevor er mit jener einen virtuellen Schuss abgibt. Das die Journalistendarsteller der Badischen-Zeitung dies ordentlich abfeiern und in mannigfaltig tendenziöser Sprache formulieren, war ja klar. Als Spieler ist man ja schon viel gewohnt, so dass einem ein „Wie fühlt sich an, virtuell zu töten?“ als Einleitung schon kaum noch aufregt – man stumpft dann halt doch langsam ab.

Es ist dann aber doch das, was der Herr Minister sich da zusammen reimt, welches ein jeden Aufhorchen lassen sollte. Man muss nicht zwingend Video- oder Computerspieler sein um so etwas für gefährlich zu halten. Spätestens seit Zensursula sollte ein jeder Demokrat ein komisches Gefühl in der Magengegend bekommen, wenn er etwas vorgesetzt bekommt, das nach Symbolpolitik aussieht. Nach ein paar typischen Phrasen äußert Herr Rech dann nämlich folgendes:

Ein Verbot von Killerspielen löst nicht das Problem, aber es ist ein Signal.

Richtig, Herr Minister. Bevor man gar nichts tut (was man bisher ja sehr gut geschafft hat), tut man lieber etwas, was damit überhaupt nichts zu tun hat. Aber hey, man solle sich ja nicht vorwerfen lassen, man hätte nichts unternommen. Besser kommt es natürlich noch, wenn man das was man tun möchte, auch noch selbst als Wirkungslos beschreibt. Super gemacht! Natürlich sollte es in Zeiten, in dem wir erneut bestätigt bekommen haben, dass Deutschland weltweit der drittgrößte Rüstungsexporteur ist, klar sein, dass wir unsere armen Kleinen vor den bösen Killerspielen aus den bösen USA schützen müssen.

Kriegsspiel ‚wegpädagogisieren‘, was in Deutschland spätestens seit dem 2. Weltkrieg geschah, schafft nicht den Krieg ab. Zudem wäre die Abrüstung im Kinderzimmer allein nur moralische Doppelzüngigkeit in einem Land, welches weltweit drittgrößter Rüstungsexporteur ist.

So schrieb einst Jens Wiemken 2001. Dieses Zitat lässt sich natürlich auch wunderbar auf PC-Spiele und Schoolshootings übertragen und trifft genau den Kern des ganzen. Ich kann nicht genau wissen, was Herr Rech meint, was ein Verbot genau bewirken soll. Gut, es soll ein Signal sein, aber für was? Glaubt etwa jemand ernsthaft, dass jemand vor seinem PC sitzt und sich denkt „Verdammt, Killerspiele sind verboten. Dann muss ich mir das mit meinem Amoklauf nochmal überlegen.“ Allein die Vorstellung ist grotesk.

Das Signal, dass vom Innenminister hier ausgesendet werden würde ist, dass auch in Zukunft von Menschen wie Herrn Rech nur Symptome  behandelt werden, aber keine Ursachen. Es wäre ein Signal für die Fortsetzung reiner Symbolpolitik. Und vor alle dem wäre es ein Signal dafür, dass man auch weiterhin gerne Politik für moralinsaure, erzkonservative, heuchlerische, Betroffenheit vortäuschende und dem Altersstarrsinn verfallene Spießer machen möchte, welche zu alles und jeden , was nicht in ihr Weltbild passt, erstmal die Frage stellen, ob man so etwas denn nun braucht. Und hierfür sind Vorwände wie Jugendschutz oder Straftatverhinderung die idealen trojanischen Pferde um ihre persönlichen Moralvorstellungen auf die Gesamtgesellschaft zu übertragen. Denn wir alle lieben doch unsere Kinder, nicht wahr?

Wählen gehen?

zettel

Man sollte sich schonmal Gedanken darüber machen. (Gefunden: Stigma-Videospiele.de)

Politik der aufgeschreckten Hühner

Oh ja, Wahlzeit. Da machen Politker immer so komische Dinge. Vor allem Versprechungen. Diese Versprechungen sind vor allem auch dafür da uns in Sicherheit zu wiegen. So will man nach einem Amoklauf schnell Computerspiele verbieten, denn diese sind ja gefährtlich. Deswegen müssen diese Verboten werden. Das hat man ja hier wieder gesehen. Deswegen muss man hart durchgreifen. Dies nimmt teilweise aber grotesken Zügen an, vor allem, da nun auch vom virtuellen zum realen Spiel übergegangen wird. Waren schon vorher einige kaum nachzuvollziehende Panikreaktionen seites der Jugendämter, der Bahn und einer Kaufhauskette über uns hergeschwappt, meinen die Polikter aus Winnenden ziehen zu müssen, dass man Paintball, Laserdome, Gotcha u.ä. Spiele verbieten zu müssen.

Schließlich wird hier das Töten simuliert. Ahja. Das sehen die Betreiber natürlich anders. Das ist auch gut so. Der Sport ist übrigens ab 18, was auch immer schon so war. Das wir alle dadurch zu militarisierten Killern werden halten viele für nicht nachvollziehbar, so auch ich nicht, zumal es doch Dinge gibt, die einen das Gegenteil vermuten lassen. Der Sport ist zudem nicht sonderlich gefährlich. Gibt höchstens mal ein paar blaue Flecken. Nicht alle halten dieses Verbot für Sinnvoll, allen voran z.B. die Polizei. Zudem gibt es sogar teile der Jusos, die sich gegen soetwas stellen und diese ganze Verbieterei als „demokratiegefährdent“ sehen.

Dieser Vorstoß der Großen Koalition ist natürlich nur Symbolpolitik. Ernsthaft was tuen wollen sie natürlich nicht. Schließlich steht die Wahl bald vor der Tür. So verwundert es auch nicht, dass man die mächtige Wählerschaft der Jäger und Sportschützen nicht gängeln will, was man z.B. mit einem rigorosen Verbot von großkalibrigen Schusswaffen für Sportschützen erreichen würde. Solch ein Verbot wurde 1997 in Großbritannien erlassen, nach einem Amoklauf. Hierzulande kann man sowas nicht machen. Es ist ja Wahlzeit. Waffenlobbyisten lachen sich ins Fäustchen.

Lorenz Marlot vom Tagespiegel hat hierzu auch eine Meinung. In seinem Artikel Peng, du bist tot! schreibt er:

Es ist lächerlich, als Konsequenz aus Winnenden ein nur für Erwachsene erlaubtes Spiel zu verbieten – aber auch bedrohlich. Der Staat betritt mit Gewalt eine Welt, in der er nichts zu suchen hat. Paintball wird auf privatem Gelände gespielt. Man mag es blöd oder abstoßend finden, aber wer nicht will, wird davon nicht belästigt. […] Unter dieser Regierung wird der Staat zur Moralinstanz – er maßt sich an, darüber zu richten, was gut ist und schlecht. Damit aber löst der Staat kein Problem. Er wird selber zu einem.

Superwahljahr, wir freuen uns, dass du da bist.



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